Wenn man nicht in die Schule gehen muss…sondern darf!

Nach den langen Sommerferien hat fast überall in der Schweiz die Schule wieder angefangen. Morgens, mittags und nachmittags sind vielerorts wieder haufenweise Kinder anzutreffen, die mit ihren Schultaschen, Rucksäcken oder „Chindsgi-Täschli“ unterwegs sind. In Gruppen Raymondoder alleine pilgern sie Richtung Schulhaus und zurück. Für einige ist dies noch neu und aufregend – aber mit der Zeit wird bei vielen die anfängliche Euphorie abflachen, es wird sich der Alltag einstellen und die Schule wird zunehmend zu einer lästigen Pflicht.

An ihren allerersten Schultag können sich wohl die meisten von uns noch gut erinnern.Die grosse Aufregung, die bereits Wochen zuvor herrschte. Das stolze Posieren für das Foto mit der ersten eigenen Schultasche, kurz bevor man sich auf den Schulweg macht.  Die Mischung aus Unsicherheit und Neugierde beim ersten Zusammentreffen mit den neuen Mitschülern. Das Gefühl, nun endlich auch zu den Grossen zu gehören. Und schliesslich die Vorfreude auf die ersten echten Hausaufgaben, sowie die Motivation und der Ehrgeiz bald lesen, schreiben und rechnen zu lernen.

Dieser Ehrgeiz verfliegt jedoch bei den meisten über kurz oder lang und ganz ehrlich: Hausaufgaben machen vielleicht die erste Woche Spass. Spätestens in der Oberstufe herrscht dann schon fast ein gesellschaftlicheelse_becker_7r Druck, die Schule blöd zu finden. Wer dann immer noch gerne in den Unterricht geht, sagt dies besser nicht zu laut, sonst wird man sogleich als Streber abgestempelt. In die Schule zu gehen ist für viele ein Müssen und keineswegs ein Dürfen. Mein Grossvater erzählt allzu gerne die Anekdote vom ersten Schultag meines Bruders. Als er am Nachmittag von der Schule nach Hause kam, wo mein Grossvater ihn im Beisein meiner Eltern fragte, wie es denn gewesen war, antwortete er gleichgültig: „Gut.“ Hinter vorgehaltener Hand und mit gesenkter Stimme, so dass nur Grossvater es hören sollte, fügte er dann noch hinzu: „…aber ich geh‘ da nicht mehr hin.“ Die Schule hat ihm dann auch nie wirklich Spass gemacht und erschien ihm wohl eher als eine unnötige Qual. Viel lieber wäre er zu Hause geblieben und hätte mit seinen Lego gespielt. Aber auch ich, die eigentlich nicht ungern zur Schule ging, freute mich immer ein bisschen, wenn ich wiedermal wegen einer Grippe 2-3 Tage die Schule schwänzen durfte. Und je älter ich wurde, desto öfter hatte ich dann die Grippe. Oder Kopfschmerzen. Oder sonst etwas. Aber das allerbeste war ja, wenn der Lehrer krank war!

Ähnlich wie meinem Bruder und mir ging es wohl den meDSCF9042isten von uns, zumindest teilweise, während unserer Schulzeit. Nicht so jedoch tausenden von anderen Kindern weltweit, die sich nicht darüber freuen können, wenn sie wegen ein wenig Kopfschmerzen nicht zur Schule müssen. Es sind Kinder, die in Moldawien an Tuberkulose erkranken oder in Ruanda ein Schuljahr wiederholen müssen, weil sie krankheitsbedingt und aufgrund mangelnder medizinischer Versorgung mehrere Wochen der Schule fernbleiben. Es sind Kinder aus Indien, die niemals lesen und schreiben lernen, weil sie statt zur Schule zu gehen zu Hause mitanpacken müssen, damit ihre Familie leben kann. Es sind Kinder auf Haiti, die noch nicht einmal ein Schulheft hätten, worin sie ihre Hausaufgaben aufschreiben könnten. Die Kinder, die zur Schule können, nehmen teilweise Tag um Tag sehr lange, beschwerliche Fussmärsche in Kauf, um am Unterricht teilnehmen zu können. Sie sind unendlich dankbar für jeden Tag, an dem ihre Lehrperson auftaucht und ihre Motivation und ihr Ehrgeiz zu lernen flacht nicht einfach so ab, denn sie wissen, dass es ein Privileg ist in die Schule gehen zu können. Die Schule zu besuchen ist nicht nur ein Dürfen, sondern ein Wollen.DSCF7077

In verschiedenen Projektländern versucht ora international so vielen Kindern wie möglich diesen Wunsch zu erfüllen und ihnen Bildung zugänglich zu machen. Somit wird nicht lediglich in das Jetzt, sondern auch längerfristig in eine perspektivenreiche Zukunft investiert. Unterstützen auch Sie ein Kind mit einer Patenschaft und ermöglichen Sie ihm eine schöne, interessante Kindheit, sowie Zukunftsperspektiven für das Kind und dessen Familie.

 

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