Was für ein krankes Gesundheitssystem! (Teil 1)

Wenn man an Europa denkt, kommen imposante Städte wie London, Paris oder Zürich in den Sinn. Wir verbinden diese europäischen Städte mit Reichtum, Schönheit und Kultur. Ja, Europa hat definitiv ein paar Städte und Länder, wo es sich sehr gut leben lässt. Unsere schöne Schweiz gilt sogar als eines der reichsten Länder Europas. Scheint also alles in Ordnung zu sein. Doch halt! Nicht alle Europäer haben das Glück, so ein sorgloses Leben zu führen, wie wir in der Schweiz. Rumänien gilt als eines der ärmsten Länder Europas. Dies macht sich vor allem im Gesundheitswesen bemerkbar.

Völlig überfüllte Arztpraxen, nicht genug Personal und zu viele kranke Leute: So sieht der rumänische Alltag aus. In Rumänien gibt es immer weniger Mediziner, doch eine steigende Anzahl Patienten. Seit Rumänien in 2007 der EU beigetreten ist, hat ein Drittel der Ärzte das Land bereits verlassen, gefolgt von rund 40‘000 Pflegern und Pflegerinnen. Der Grund dafür sind die tiefen Löhne, die permanente Überbelastung, sowie die fehlende Anerkennung im rumänischen Gesundheitswesen. Somit verlassen viele Arbeiter das staatliche Gesundheitssystem und suchen sich im Ausland Arbeit, denn dort verdienen die in Rumänien ausgebildeten Ärzte 10- bis 20-mal so viel. Durch den grossen Personalmangel ist das verbliebene Personal hoffnungslos überlastet. Pfleger und Pflegerinnen betreuen nun statt 15 Betten doppelt so viel.

Es droht eine medizinische Unterversorgung, denn in den ländlichen Regionen hat Rumänien bereits eine Ärztedichte, wie in einem afrikanischen Entwicklungsland erreicht. Jeder zweite Rumäne lebt auf dem Land und ist damit medizinisch unterversorgt. Doch auch in der Stadt sind Ärzte rar und nicht kostenlos. Die meisten Ärzte seien nur hinter dem Geld her. Grundsätzlich ist die Situation sehr schlecht, auch was die Hygienestandards betrifft: Gerade mal drei von 400 öffentlichen rumänischen Krankenhäusern erfüllen europäische Standards. Zudem verursachen die hygienischen Mängel Infektionen. Kein Land der europäischen Union gibt momentan weniger Geld für sein Gesundheitssystem aus. Besonders für ältere Patienten ist es schwer, da ihre Behandlung oft abgelehnt wird. Laut einer EU-Statistik über vermeidbare Todesfälle schneidet kein Land schlechter ab als Rumänien, wo jeder zweite Todesfall bei einer optimalen Gesundheitsversorgung vermeidbar gewesen wäre.

Es gibt Ärzte in Rumänien, die ihre Patienten erst richtig behandeln, wenn noch mehr bezahlt wird. Es sei längst kein Geheimnis mehr, dass Ärzte bestechlich sind. Oft bemüht man sich einfach nicht, schnell genug zu handeln, wenn nicht noch ein äusserer Anreiz dazukommt.  So starb zum Beispiel eine Patientin an einem erhöhten Calciumspiegel, weil das notwendige Medikament nicht schnell genug beschafft wurde.

Was tut man dagegen? Berichten zufolge leider nicht besonders viel. Rumänen, die es sich leisten können, reisen ins Ausland, sobald sie ernsthaft krank werden oder sie besuchen eine rumänische Privatklinik.

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