Warum entscheidet man sich für einen Job bei einer Hilfsorganisation?

Florence, unsere Projektpartnerin aus Ruanda hat ein paar Fragen für uns beantwortet.

Florence mit ihrer Familie

Florence arbeitet bei Solace Ministries in Ruanda. Das ist eine christliche, unpolitische Non-Profit-Organisation, die sich den Bedürfnissen von Witwen und Waisen des Völkermordes von 1994 widmet. In nur 100 Tagen Bürgerkrieg starben fast eine Million Menschen und unzählige verloren ihre ganze Familie. Das Ziel von Solace Ministries ist es, zu einer alternativen Familie für Überlebende zu werden. Die Mitarbeiter bieten Unterstützung an und kreieren Netzwerke für diejenigen, die traumatisiert und einsam sind, um ihnen dabei zu helfen, ihre Zukunft positiv zu gestalten. Der holistische Ansatz ist ihnen sehr wichtig und beinhaltet alles von medizinischer Versorgung bis hin zu unterschiedlichen Bildungsmöglichkeiten. Florence arbeitet bei Solace Ministries als Koordinatorin der Sponsoring-Programme. Sie hat diesen Job gewählt, weil sie den direkten Kontakt zu den Leuten sehr schätzt. Sie sagt, das Beste an ihrem Job ist es definitiv, die positive Entwicklung der Menschen mitzuerleben, die Schwieriges durchgemacht haben. „Die Verwandlung sollte von innen kommen und sich dann auf das tägliche Leben übertragen. Es gibt immer Hoffnung, egal was passiert ist“, erklärt Florence im Interview. Auf die Frage, was denn die grösste Herausforderung in ihrem Job sei, erzählt Florence: „Für mich war und wird es auch in Zukunft die grösste Herausforderung sein, zu akzeptieren, dass ich nicht allen Leuten helfen kann, weil wir einfach nicht genügend Mittel zur Verfügung haben.“  Somit zeigt sich, dass der Job definitiv positive Seiten hat, wenn man miterleben darf, wie die Leute Freude am Leben entwickeln, doch man muss auch stark genug sein mit den Schattenseiten umzugehen und mit schweren emotionalen Schicksalen zurecht kommen können.  Für Florence überwiegt auf jeden Fall das Positive und sie möchte diese Erfahrungen, die sie durch ihre Arbeit machen durfte, auf keinen Fall missen.

Zu guter Letzt erzählt Florence noch eine kleine Geschichte, die sie zutiefst berührt hat: „Seit ich bei Solace Ministries arbeite, habe ich schon vieles erlebt. Eine Erinnerung, die mir besonders im Kopf geblieben ist, ist die eines Mädchens, das 18 Jahre lang geglaubt hat, HIV positiv zu sein. Ihre Eltern sind nämlich an HIV gestorben und somit hatte sie einfach angenommen, dass sie auch HIV positiv sei. Sie lebte bei ihrer Tante und war oft in einem schlechten gesundheitlichen Zustand. Da es dem Mädchen körperlich immer so schlecht ging, war es für sie einfach klar, dass sie HIV positiv sein muss, auch wenn es nie medizinisch abgeklärt wurde. Als ich von dieser Situation erfuhr, riet ich dem Mädchen, sich dringend untersuchen zu lassen, was sie dann auch tat. Was danach passierte grenzte an ein Wunder: Die Untersuchungen ergaben, dass das Mädchen HIV negativ war und somit kerngesund. Als das Mädchen davon erfuhr, waren all ihre körperlichen Beschwerden plötzlich weg. Von diesem Moment an war sie einfach gesund und hatte kein Leiden mehr. Es hatte sich herausgestellt,  dass sie nur wegen ihren negativen Gedanken immer so krank gewesen war. Für die meisten Leute ist das fast nicht zu glauben, doch dadurch, dass sich das Mädchen täglich einredete HIV positiv zu sein, reagierte ihr Körper auch dementsprechend und fühlte sich tatsächlich krank. Nun ist sie aber sehr glücklich darüber, gesund zu sein, kann endlich ein normales Leben führen und ihre Ziele im Leben verfolgen“.

Diese bewegende Geschichte zeigt, wie eine gewisse Lebenseinstellung alles verändern kann. Dies gilt sowohl in Ruanda, wie auch für uns in der Schweiz. Wir danken Florence vielmals für das spannende Interview. Ihre Worte geben einen kleinen Einblick in ihre Arbeit, wo natürlich noch viel viel mehr dahintersteckt. Wir sind sehr froh, sie als Projektpartnerin von ora international haben zu dürfen und mit ihr zusammenzuarbeiten.

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