Moldawien: Bildung als Weg aus der Armut

Moldawien_Mai15 223Heute möchten wir Ihnen Näheres über das osteuropäische Land Moldawien und dessen Bedeutung der Bildung vorstellen. Moldawien wird anhand verschiedener Kennzahlen als das ärmste Land Europas identifiziert: Hier leben rund ein Drittel der Bevölkerung unter der Armutsgrenze, das Bruttoinlandprodukt ist das tiefste in ganz Europa und die Arbeitslosigkeit ist hoch. Auch in Bezug auf Indikatoren der menschlichen Entwicklung werden beunruhigende Meldungen geliefert: Menschenrechte, wie das Recht auf faire Gerichtsverhandlungen, das Diskriminierungs- und das Folterverbot, werden laut Amnesty International regelmässig verletzt und nur Ungenügendes wird von der Regierung dagegen unternommen. Vor allem Minderheiten wie die Roma erfahren verschiedenste Diskriminierungen und gewalttätige Übergriffe und leben unter sehr niedrigen Lebensstandards. Weiter sind gesundheitliche Risiken in Moldawien auf dem Vormarsch, so ist in keinem europäischen Land Tuberkulose so stark verbreitet wie in Moldawien. Das staatliche Gesundheitssystem hat viele Lücken und kann keine entsprechende Versorgung bereitsstellen. Im Resultat sind viele Menschen, vor allem viele arme Menschen, auf sich allein gestellt. Auch im Bereich der Bildung ergeben sich Verbesserungspotentiale, denn nur 93 % der Kinder besuchen die Primarschule. In anderen Worten geht beinahe eines von zehn Kindern nicht zur Schule.

Die erdrückende Armut grenzt die betroffenen Menschen ein und sie müssen Wege einschlagen, die sie nicht wollen: Moldawien ist zum Rekrutierungsland von Menschenhandel und Zwangsprostitution geworden. Mädchen und Frauen werden unter falschen Versprechungen nach Westeuropa gelockt. Die Perspektivenlosigkeit aufgrund der verbreiteten Armut in Moldawien ist zu gross, viele junge Menschen träumen von einem besseren Leben und nehmen deswegen zwielichtige Angebote im Ausland an. Allgemein ist Arbeiten im Ausland sehr verbreitet, mehrere Kinder in den Kindertagesstätten von ora international sehen ihre Eltern aufgrund ihres Arbeitsortes nur selten. In Zahlen: Es arbeiten rund 800’000 Moldawier (von 3.5 Millionen Einwohnern) im Ausland. Aufgrund der Perspektivenlosigkeit flüchten viele Menschen in den Alkohol, so weist Moldawien den zweithöchsten Pro-Kopf-Konsum weltweit von alkoholischen Getränken auf. Mit diesem hohen Alkoholkonsum kommen weitere Probleme wie Gewalt, Aggressivität und gesundheitliche Probleme, wobei niemals der Alkohol allein verantwortlich gemacht werden kann, hinzu. Verschiedene Patenkinder von ora haben alkoholsüchtige und nicht selten gewalttätige Elternteile. Leider erfahren mehr als 45 % aller moldawischen Frauen häusliche Gewalt. Gesundheitliche Probleme verhärten die Armut nur noch mehr, denn das staatliche Gesundheitssystem kann die Bürger und Bürgerinnen nur mangelhaft umsorgen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERABildung muss in Moldawien wie in jedem anderen Land als Chance, als Perspektive, als Ausweg gesehen werden. Es ist nicht so wie in vielen afrikanischen Ländern, wo Bildung grossen Teilen der Bevölkerung verwehrt wird und als der Schlüssel zu einer Entwicklung des entsprechenden Landes gesehen werden muss. Das Bildungssystem von Moldawien steht und es herrscht ein universelles Recht auf Bildung. Allerdings zwingt die Armut viele junge Menschen dazu, die Schule abzubrechen oder sie gar nicht erst zu besuchen. Bildung ist aber auch hier der Schlüssel zu einem besseren Leben. Deswegen verfolgt ora international in Moldawien mit dem Erhalt von Kindertagesstätten das Ziel, allen Kindern genügende Bildung zu ermöglichen. Es wird sichergestellt, dass die Kinder die Schule auch wirklich besuchen und einen richtigen Beruf erlernen können. Die Kindertagesstätten haben nicht nur das Ziel der Bildung, sie sollen auch eine sichere Zuflucht für die Kinder darstellen. So gibt es Betten für die Kinder, falls sie nicht zu Hause übernachten können oder wollen.

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Quellen:

  • Schätzungen World Atlas: http://www.worldatlas.com/articles/the-poorest-countries-in-europe.html
  • HDI Report: http://hdr.undp.org/sites/all/themes/hdr_theme/country-notes/es/MDA.pdf
  • Flüchtlingshilfe Schweiz: https://www.fluechtlingshilfe.ch/assets/herkunftslaender/europa/moldova/moldova-kurzinformation.pdf
  • Amnesty International: https://www.amnesty.org/en/countries/europe-and-central-asia/moldova/report-moldova/
  • Tuberkulose: http://www.ostpol.de/beitrag/3922-der_weisse_tod_tuberkulose_in_moldau
  • Alkoholkonsum in Moldawien: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Alkoholkonsum
  • Arbeiter im Ausland: https://www.srf.ch/news/international/warum-die-praesidentenwahl-in-moldawien-fuer-europa-wichtig-ist
  • Berichte von Projektpartnern

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