Guinea-Bissau: Menschliche Entwicklung mit Bildung vorantreiben

Als ich meiner Familie von der SitIMG_4554uation in Guinea-Bissau erzählte, schauten sie mich mit grossen, erstaunten Augen an und fragten: „Wer oder was ist Guinea-Bissau?“ Ich konnte es ihnen nicht verübeln: Auch ich würde ohne meine Praktikumsstelle bei ora international nur wenig Kenntnisse über dieses westafrikanische Land verfügen. Geht es Ihnen wie meiner Familie? Falls Ja werden Sie heute bestimmt etwas lernen, denn es folgt der vierte Teil unserer Serie über Bildung in den ora-Projektländern.

 

 

 

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Guinea-Bissau befindet sich im Westen von Afrika, wo es an Guinea und Senegal grenzt und am atlantischen Ozean liegt. Mit einer Fläche von rund 36’000 km² ist Guinea-Bissau ein wenig kleiner als die Schweiz. Durch die Nähe zum Äquator ist das Klima tropisch, die Regen- und die Trockenzeit bringen Hitze und Feuchtigkeit. Die Landessprache ist Portugiesisch, da Guinea-Bissau bis 1974 eine portugiesische Kolonie gewesen ist. Allerdings sprechen nur etwa 14 % der Bevölkerung tatsächlich Portugiesisch. Die Mehrheit der Bevölkerung spricht guineabissauisches Kreol, das auf den Sprachen der verschiedenen Ethnien und auf dem Portugiesischen basiert. Weiter zeichnet sich Guinea-Bissau durch eine Vielzahl an ethnischen Minderheiten aus, die eigene Religionen, Bräuche und Sprachen aufweisen.

Guinea-Bissau zählt zu den am geringsten entwickelten Ländern dieser Erde. Dies wird anhand weniger Eckdaten ersichtlich: 38% der Kinder im Alter von 5 – 14 Jahren verrichten Kinderarbeit und können somit oft nicht zur Schule gehen. Die Lebenserwartung beträgt gerade mal 55 Jahre. Noch immer werden behinderte Kinder oder Zwillinge ausgesetzt oder umgebracht, weil diverse Volksgruppen glauben, diese Kinder seien vom Teufel besessen. So auch die ora-Patenkinder und Zwillingsschwestern Debora und Raquel, die von ihrer eigenen Mutter ausgesetzt wurden. Genitalverstümmelungen an Mädchen wird in einigen Volkgruppen nach wie vor praktiziert, weil eine unbeschnittene Frau als unrein gilt und keinen Ehemann finden wird. Das Land ist ausserdem gezeichnet von Armut und Korruption, was die Durchführung grundlegender ökonomischer und sozialer Reformen erschwert. Die medizinische Grundversorgung ist nicht gewährleistet, beispielsweise rät das Aussendepartement der Schweiz zur Mitnahme von eigenem Verbandsmaterial. Es wird also deutlich: Damit die menschliche Entwicklung der Bevölkerung Guinea-Bissaus vorangetrieben werden kann, ist Bildung bitter nötig. Leider ist Bildung in Guinea-Bissau ein Privileg und kein Recht: Nur 69 % aller Kinder gehen zur Schule und nicht einmal die Hälfte schliesst die Primarschule tatsächlich ab. Die Gründe können vielfältig sein: Unwissen über die Wichtigkeit der Bildung, Abhängigkeit von der Mithilfe des Kindes zu Hause, zu hohe Schulgebühren. Im Resultat beträgt die durchschnittliche Schuldauer nur 2,9 Jahre.

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Ora international ist bemüht, die menschliche Entwicklung durch die Gewährleistung von Bildung voranzutreiben. Dafür wird das Waisenhaus Casa Emanuel unterstützt und erhalten und gleichzeitig ein Patenschaftsprogramm unterhalten. Die eben angesprochenen Zwillingsschwester Debora und Raquel haben im Casa Emanuel ein neues Zuhause erhalten und können die Schule besuchen. Debora möchte Zahnärztin werden und dieser Wunsch könnte sich dank der Patenschaft sogar erfüllen. Damit wäre dem ganzen Land gedient, so könnte dem Ärztemangel entgegengewirkt und viele Menschen behandelt werden. Raquel, die eine körperliche und geistige Behinderung aufweist, erhält im Casa Emanuel entsprechende medizinische Versorgung und persönliche Betreuung. Möchten auch Sie einem Kind den Schulbesuch und medizinische Versorgung ermöglichen? Informieren Sie sich hier über mögliche Patenschaften oder Spendenaktionen an Guinea-Bissau. Falls Sie noch einen bildreichen Eindruck vom Casa Emanuel erhalten möchten, schauen Sie sich doch dieses Filmchen an.

 

Quellen:

  • http://hdr.undp.org/sites/all/themes/hdr_theme/country-notes/es/GNB.pdf
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Guinea-Bissau
  • https://www.frauenrechte.de/online/index.php/themen-und-aktionen/weibliche-genitalverstuemmelung2/unser-engagement/aktivitaeten/genitalverstuemmelung-in-afrika/fgm-in-afrika/1456-guinea-bissau
  • https://www.amnesty.org/en/countries/africa/guinea-bissau/
  • https://www.eda.admin.ch/content/eda/de/home/laender-reise-information/guinea-bissau/reisehinweise-guinea-bissau.html

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